Vor circa 6 Jahren befand sich das erste Mal das Buch „Der Erste Augenblick des Lebens – Die Bedeutung der Geburt für die Heilung von Mensch und Erde von Willi Maurer in meinen Händen. Ich war relativ frisch heimgekehrt von einer sehr langen und intensiven Zeit in der nordamerikanischen Wildnis. Dort hatte ich in Gemeinschaft und halbnomadisch als Jäger und Sammler gelebt. Es war ein sehr intimes Leben und ein wichtiger Teil der Erfahrung war das Erlernen wahrhaftiger Kommunikation und das Aufdecken erlernter aber dysfunktionaler Verhaltensweisen. Ich war also inspiriert von diesem inneren Forschen und nun stieß ich auf dieses Buch. Die darin beschriebene, tiefe Selbsterfahrung sprengte meine Vorstellungskraft für das, was möglich ist.

Da meine Kindheit mir als eher verschwommene Erinnerung behalten ist, war ich überrascht zu lesen, wie in dem Buch beschrieben wurde, dass Menschen Zugang zu frühkindlichen Erfahrungen finden und diese aufarbeiten und in ihr Leben integrieren können. Die Verknüpfung von sich wiederholenden, leiderzeugenden Verhalten und den prägenden Erfahrungen als Baby und Kleinkind waren sehr einleuchtend für mich und ich empfand eine große Neugier, selber die Gefühlswelten meiner Kindheit zu entdecken. Als ich das erste Mal zu einer Wochenendegruppe für Gefühls- und Körperarbeit in Berlin ging, war ich also voller Erwartungen. Die Gruppe leitete Mareia Claudia Lange und mein erster Prozess führte mich weit zurück in Gefühle von tiefer Verlassenheit, Einsamkeit und fehlender Zugehörigkeit als Baby. Es war schmerzhaft und gleichzeitig befreiend, diese Gefühle wieder zu entdecken und ihnen Raum zu geben. Doch wie in der Gefühls- und Körperarbeit üblich, folgte dann auch die Phase, in der ich durch das authentische Ausdrücken meiner Bedürfnisse als Kleinkind die Möglichkeit bekam, doch zu bekommen, was ich von Herzen brauchte. Nämlich in die Arme der Mutter genommen zu sein und dort Geborgenheit und Zugehörigkeit zu finden. Als ich dabei war, wieder aus meinem Erleben als Baby in das Erwachsenensein zu wechseln, sagte ich noch: „Das ist ja wie eine Tankstelle.“ Damit meinte ich, wie wohl es tut, diese Nähe, dieses Ganzsein als Kind in mich aufzunehmen und es tief in den Körper einsinken zu lassen, um ein neues Lebensgefühl für mich als Erwachsener entstehen zu lassen.

Es folgten 5 intensive Jahre der Selbsterfahrung und der Ausbildung, da ich mich entschloss, dass ich diese Arbeit in der Tiefe an mir erfahren will und auch gerne andere begleiten möchte. Ich habe so tiefe Einblicke in mein Leben gewonnen und die Auswirkungen traumatischer Erfahrungen bei mir und bei anderen begreifen können. Ich war verwundert über das teilweise geringe Interesse an den Gruppen, die in Deutschland und in der Schweiz stattfanden und auch das geringe öffentliche Interesse an dem Thema Geburt und Imprinting. Willi nennt die Zeit, kurz nach der Geburt, in der der alle Sinne umfassende Hautkontakt zwischen Mutter und Kind so prägend ist, das Imprinting.

So wuchs in mir der Wunsch, die über 40-jährige Erfahrung von Willi Maurer und die Erkenntnisse, wie die Zusammenhänge zwischen ersten Lebensjahren und Erwachsenenverhalten unsere ganze Gesellschaft mitgestalten, auf Video festzuhalten.

  • Was passiert, wenn viele Kinder in unserem Kulturkreis von der Mutter getrennt werden und so wie ich mit einem Gefühl der Einsamkeit und Verlassenheit in diese Welt gehen?
  • Fühlen sie sich wertvoll, selbstermächtigt und bereit ihr Leben in die Hand zu nehmen? Brauchen sie Ersatzbefriedigungen (Zweitwahlen), um diese Leere zu füllen?
  • Sind sie dem Frieden zugewandt, oder haben die anfänglichen Erfahrungen in Ihnen Enttäuschung und Hass entstehen lassen, die sich dann auf die Gesellschaft projizieren?
  • Was ist der Preis, den wir gesellschaftlich dafür zahlen? Was ist die Einbuße an Lebensqualität, Freude und Erfülltheit, die wir persönlich dafür zahlen?

Diese und andere Forschungsfragen ließen mich dieses Filmprojekt starten und mit der Hilfe des Filmemachers Andre Schuster besuchte ich Willi Maurer für 2 Tage in seinem abgelegenen Häuschen, mitten im Wald, in den Tessiner Bergen. Wir führten ein ausgiebiges Gespräch und ich befragte Ihn zu verschiedenen Aspekten seiner Arbeit.

Nun folgt der Schnitt und das Zusammenfügen all der Erfahrungen zu kleinen Clips, die im Internet veröffentlichbar sind. Gleichzeitig gibt es die Idee selber eine kleine DVD zu erstellen, die für Interessierte ein gebündeltes Paket ergibt, um sich dieser Thematik zu nähern.

vorfreudige Grüße

Bastian Barucker